Wohnhaus vor weiterem Einsturz bewahrt - THW-Helfer retteten "verletzten" Mann (Übung)

Eine 'verletzte' Person wurde von den Helfern ordnungsgemäß in einer Trage für dem Abtransport fertiggemacht. (Fotos: THW)„Eine eingeklemmte und verletzte Person unter einer eingestürzte Decke eines zweistöckigen Wohnhauses“ – das war die Ausgangslage für einen THW-Übungseinsatz am Samstag. Die Befreiung des „Verletzten“ und die Sicherung des Gebäudes vor weiteren unkontrollierten Einstürzen erforderte schnelles und effektives Arbeiten der Helferinnen und Helfer vor Ort. Ortsbeauftragter Jürgen Wegener und Zugführer Mike Vogel zogen abschließend ein positives Resümee.

Es ist Samstag kurz vor 8 Uhr. Die Helfer des THW-Ortsverbandes Bogen sind bereits in der Unterkunft an der Deggendorfer Straße eingetroffen. Sie erwartetet heute ein recht vielseitiger Übungseinsatz. Schon seit einiger Zeit brodelt die Gerüchteküche über diesen Einsatz. Doch über die Details hatte sich Zugführer Mike Vogel bislang noch nicht ausgelassen. Eines war aber allen klar: es dürfte ein recht ungewöhnlicher Übungstag werden. Wenige Minuten später – die Helferinnen und Helfer sitzen im Unterrichtsraum der Unterkunft – enthüllt Vogel das Geheimnis. Ziel ist die oberpfälzer Gemeinde Viehausen. Dort wurde dem Bogener Ortsverband ein ehemaliges Wohnhaus zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt. „Ihr werdet heute mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Bergungsmethoden und Hilfeleistungen konfrontiert“, verkündet der Zugführer, ohne jedoch schon nähere Details zu offenbaren.

Nach dem Motto „Jederzeit einsatzbereit“ starten nur kurze Zeit später der Mannschaftstransporter, zwei Gerätekraftwagen inklusive der schweren Bergung, ein Lkw-Kipper sowie ein weiteres Funktionskraftfahrzeug, ein Doppelkabiner mit Pritschenaufbau. An Board ist alles, was für den möglichen Einsatz an einem Gebäude notwendig ist, angefangen von Hilfsmitteln und Gerätschaften zur Rettung von Menschen bis hin zu schwerem Bergungsmaterial. Mit dabei sind an diesem Tag auch die Hundeführerinnen und –führer der erst vor wenigen Monaten gegründeten THW-Rettungshundestaffel.

Mittels einer Seilbahn brachten die THW-Helfer den 'Verletzten' nach unten.Lagebesprechung vor Ort

Was erwartet die Übungsteilnehmer vor Ort? Am Ortsrand Viehausens, nördlichwestlich von Regensburg, steht ein zum Abbruch freigegebenes zweistöckiges Wohnhaus inklusive einem Nebengebäude. Mike Vogel schildert die für diesen Übungstag angenommene Situation so: „Bei den Abbrucharbeiten ist im oberen Geschoss ein Teil der Decke eingestürzt, wobei eine Person verschüttet wurde und mehrere Bauteile des Gebäudes instabil sind und in Verdacht stehen, ebenfalls in kürze einzustürzen.“ Dazu Ortsbeauftragter Jürgen Wegener: „Das ist ein Fall, wie er jeden Tag passieren kann“.

Natürlich birgt so ein Einsatz eine Gefahr für die Helfer. Das wissen sie auch. Daher steht neben der Rettung anderer Menschen die eigene Sicherheit im Vordergrund. Ein überstürztes Losrennen und einfach hinein in die Gemäuer gibt es für die Einsatzkräfte des THW nicht. Vielmehr wird genauestens besprochen, welche Hilfeleistungen und Maßnahmen in dieser Situation erforderlich sind und angewendet werden müssen.

„Verletzter wurde in Trage abgeseilt“

Bei der „verletzten“ Person handelt es sich um einen Mann, der unter einer Holzdecke eingeklemmt ist. Er ist ansprechbar, kann sich aber ohne fremde Hilfe nicht befreien. Sein Bein scheint verletzt zu sein, da er es nicht bewegen kann. Ihm gilt die Aufmerksamkeit der THW-Helfer als erstes. Um an ihn heranzukommen, müssen die Einsatzkräfte mit Motorsägen Teile der eingestürzten Balken und Bretter abschneiden. Damit aber nicht noch weitere Deckenteile nachrutschen, müssen diese abgestützt werden. „Die Rettungsaktion geht zügig voran“, berichtet zwischendurch der Zugführer.

Inzwischen kommt auch ein als Sanitätshelfer ausgebildeter THW-Helfer an den „Verletzten“ heran. Er vermutet eine Fraktur am Fußbereich, so dass der Mann in einer Trage ins Freie gebracht werden muss. Ein Transport über die noch bestehende, aber desolate Holztreppe ist nicht möglich. Daher entscheidet der zuständige Truppenführer den „Verletzten“ über eine Abseilvorrichtung nach unten zu befördern. Solche Aktionen sind beim THW nicht alltäglich, kommen doch immer wieder einmal vor. „Aus diesem Grund müssen unsere Helfer für derartige Situationen immer wieder trainiert werden“, unterstreicht Jürgen Wegener die Notwendigkeit dieser Übung. Dass die Helfer mit dieser Art von Hilfeleistung keine Probleme haben, zeigt sich allein schon daran, dass innerhalb kürzester Zeit eine Seilbahn aufgebaut und der „Verletzte“ abgelassen werden kann.

In diesem zweistöckigen Wohnhaus bot den Helfern des THW Bogens eine breite Palette unterschiedliche Hilfeleistungen zu üben.Weitere Gefahren erfolgreich gebannt

Doch damit nicht genug der Arbeit, denn durch den Einsturz der Decke befindet sich das gesamte Haus in einem instabilen Zustand. Teile einer Zwischenwand sind bereits umgefallen. Risse in der Außenwand deuten auf einen bevorstehenden möglichen Einsturz hin. Die Helfer des THW gehen nun mit Brechstangen und Stemmhammer vor, entfernen einsturzgefährdete Mauerteile und Gebälk. Für alle Fälle werden zusätzliche Gerätschaften der schweren Bergung, wie Hebekissen, Plasmaschneidgerät, Betonkettensäge und hydraulische Pressen bereitgehalten. Mit Hilfe des hydraulischen Zugseils (Seilwinde) am Gerätekraftwagen können Balken und Steingebinde problemlos aus dem Gefahrenbereich gezogen werden. Systematisch tragen die Helfer Teil für Teil ab, sichern Mauerteile vor unkontrollierten Einstürzen ab und sorgen damit für größtmögliche Arbeitssicherheit in dem Gebäude.

In der Zwischenzeit macht sich auch ein Hundeführer der Fachgruppe „Biologische Ortung“ bereit. Gemeinsam mit seinem Vierbeiner begibt er sich ins Gebäude und sucht systematisch nach eventuell weiteren verletzten Personen. Es dauert auch nicht lange, da hören die im Freien wartenden Einsatzkräfte das Bellen des Hundes. In einem Erdgeschoss hatte sich für diesen Zweck ein Helfer versteckt. Für den Ernstfall wäre die Suche des Rettungshundes von Erfolg gekrönt gewesen.

Wissen und Können für solche Aufgaben notwendig

„Die gesamte Übung ist ohne Komplikationen verlaufen“, resümierte am Abend Zugführer Mike Vogel und lobt seine Helferinnen und Helfer. Jürgen Wegener führt dies auf deren hervorragenden Ausbildungsstand zurück. In den vergangenen Jahren, so der Ortsbeauftragte, sei größter Wert auf einen bestmöglichen Wissens- und Kenntnisstand in Theorie und Praxis gelegt worden. Auch die Arbeit im Team – so wie sie seit längerer Zeit im Ortsverband verstärkt gefördert wird, kam dieser Einsatzübung zugute. Das habe sich heute wieder bewiesen. Die Helfer selber wissen das auch, sind zwar den ganzen Tag über körperlich gefordert worden, aber abschließend hochmotiviert in den Feierabend gegangen.