"Wir nehmen die Anregungen unserer Helfer ernst"

In 'der langen Nacht des THW' arbeiten die Helfer bis nach dem Morgengrauen an verschiedenen Projekten. Eine Workshop-Gruppe präsentierte zum Beispiel die Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb der Bundesanstalt. (Foto: THW)

Eine ungewöhnliche Veranstaltung für die Helfer des THW-Ortsverbandes Bogen: Eine ganze Nacht lang arbeiteten sie in Arbeitsgruppen, diskutierten im Plenum und gingen dabei so manchem Thema auf den Grund. Sie erarbeiteten eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sie sich innerhalb der Bundesanstalt fort- und weiterbilden können, klärten Fragen der Aufstiegsmöglichkeiten und legten gemeinsam mit Zugführer Johann Haas und dem stellvertretenden Ortsbeauftragen Josef Feldmaier den Kurs für das kommende Jahr fest.

"Die lange Nacht im THW" - sie dauerte wirklich lang. In der Nacht zum Sonntag harrten die Helfer des THW-Ortsverbandes weit über den Morgengrauen in der Dienststelle an der Deggendorfer Straße aus. In Workshops befassten sie sich fast eine ganz Nacht lang mit aktuellen Themen und setzten sich so mit der Behördenstruktur sowie den Einsatzoptionen auseinander. Im vergangenen Jahr hatte der Ortsverband erstmals diese nicht alltägliche - und wohl innerhalb der Bundesanstalt - einmalige Veranstaltung organisiert. Aufgrund der großen Resonanz, die damals unter der Helferschaft festzustellen war, hatten sich die Verantwortlichen im Ortsverband dafür entschieden, die "Ideenschmiede" zu wiederholen. "Ideenschmiede" deshalb, weil bei der Premierennacht viele neue Ideen gewonnen worden waren, die in den letzten zwölf Monaten umgesetzt worden sind.

"Wir nehmen die Anregungen unserer Helfer ernst", sagte Josef Feldmaier zu Beginn "der langen Nacht im THW", denn nach der ersten Veranstaltung hatte sich gezeigt, dass die Helfer bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen wesentlich engagierter mitwirken, als wenn sie nur Dienstanweisungen zu befolgen hätten. Feldmaier weiß auch, dass die Helfer hinterher immer ganz stolz seien, wenn sie feststellen, dass ihre Idee zu einer Verbesserung geführt habe.

In einer recht lockeren Atmosphäre saßen die Helfer immer wieder in Arbeitsgruppen zusammen und recherchierten verschiedene Themen. Ein Team beschäftigte sich ausführlich mit den Weiterbildungsmöglichkeiten, die das THW den ehrenamtlichen Helfern anbietet. Während natürlich alle Angebote dazu dienen, die Aufgaben der Katastrophenschutzorganisation des Bundes bestmöglich erfüllen zu können, gibt es durchaus auch Lehrgänge, die im Berufsleben nützlich sein können - ob das zum Beispiel ein Schweißerlehrgang ist oder eine Fortbildung im Bereich Rhetorik oder Management. Die Lehrgänge sind für die Helfer kostenlos. Darüber hinaus übernimmt das THW sogar die Lohnfortzahlung, so dass der Helfer nicht einmal Urlaub nehmen muss, um daran teilnehmen zu können.

Es sind eine Vielzahl von Lehrgängen, die die Arbeitsgruppe zusammenstellte und die für die Helfer des Ortsverbandes Bogen von Bedeutung sind, angefangen von Fortbildungsmaßnahmen für Gruppen- und Truppführer, für Verwaltungshelfer, für Angehörige des Stabes bis hin zu Ausbildungen zu Bootsführern, Schirrmeister und Jugendbetreuer. "Wir können bereits heute sagen, dass unsere Helfer über einen sehr guten Ausbildungsstand verfügen", weiß Johann Haas. Dies sei aber nur möglich geworden, weil sich die Frauen und Männer zusätzlich zu den Pflichtstunden überdurchschnittlich stark engagiert hätten. Auch am Standort Bogen werden den Helfern im kommenden Jahr eine Reihe von Fort- und Ausbildungsmaßnahmen angeboten, die von internen, aber auch von externen Ausbildern geleitet werden.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten die Helfer innerhalb der Bundesanstalt haben, stellte eine andere Arbeitsgruppe zusammen. In ihrer Präsentation wiesen sie nicht nur auf die verschiedenen Positionen im Technischen Zug und im Stab (Verwaltung) hin, sondern sprachen auch die Voraussetzungen an. Insgesamt zeigte sich ein breit gefächertes Angebot, welches den Helfern die Möglichkeit bietet, innerhalb kurzer Zeit für einen bestimmten Bereich Verantwortung zu übernehmen.

Wo liegen die Kernkompetenzen des Ortsverbandes Bogen und wie sollen diese im kommenden Jahr noch stärker forciert werden? Das klärte ein weiteres Team. Wie es im Plenum anschließend vorschlug, werde auch in Zukunft der Bereich Hochwasser ein großes Schwerpunktthema bleiben. "Die Klimaveränderung zeige schon jetzt ihre Auswirkungen", meinte ein Helfer der Gruppe und zählte die zahlreichen Überschwemmungen der letzten zwei Jahre auf. Die beiden Vogl-Pumpen, diverse andere Pumpen sowie die mobile Sandsackfüllmaschine und das umfangreiche Einsatzgerüstsystem für etwa einen Stegebau sind für den Ortsverband Bogen wichtige Komponenten, um bei Hochwasser- und Unwettereinsätzen schnelle und effektive Hilfe leisten zu können.

Wie diese Arbeitsgruppe weiter anregte, sollte auch das Thema Vermisstensuche, welches durch die Fachgruppe Ortung abgedeckt wird, stärker in den Focus gestellt werden. "Zu wenig Menschen wissen, dass unsere Fachgruppe speziell für diesen Aufgabenbereich ausgebildet ist", räumte Feldmaier gegenüber der Arbeitsgruppe ein, die darauf hinwiesen, dass die Einsatzoptionen vielseitig sein können. Mit regelmäßigen Übungen sowohl in Waldgebieten als auch auf Firmengeländen oder in Gebäudekomplexen wollen die Ortungsspezialisten im kommenden Jahr die Fortbildung noch intensiver angehen. Darauf verständigten sich bereits die entsprechenden Helfer und Führungskräfte.

"'Die lange Nacht im THW' sollte dazu dienen, in einer lockeren Atmosphäre gemeinsam neue Ideen zu sammeln", bekräftigte Zugführer Johann Haas. Es war den Helfern überlassen worden, wann sie die Veranstaltung beenden oder vorzeitig nach Hause gehen wollten. "Dass fast alle dann erst nach dem Morgengrauen die Unterkunft verließen, zeigt, dass wir über Teamarbeit in unserem Ortsverband nicht nur reden, sondern diese auch praktizieren", freute sich Josef Feldmaier.