Wind- und Schneebrüche erfordern von Helfern höchstes Maß an Ausbildung

Das richtige Ansetzen der Motorsäge ist genauso wichtig ... (Fotos: THW)Die Schäden des Sturms, der vorletztes Wochenende auch über den Landkreis Straubing-Bogen hinwegfegte, haben die Führung des THW-Ortsverbandes Bogen zu veranlasst, das Ausbildungs-Programm vergangenen Samstag kurzfristig zu ändern. Die Helfer befassten sich daher intensiv mit dem Thema „Einsatz mit der Motorsäge“, inklusive Unfallverhütungsvorschriften und einer Kurzübung in einem Waldstück bei Scheften.

"Der Herbst lockt mit kuscheligen Abenden vorm Kamin. Wer das nötige Brennholz selbst sägt und heranschafft, spart bares Geld. Und schließlich macht die Arbeit mit der Motorsäge richtig Spaß." So heißt es in einer Kundenzeitschrift eines großen Motorsägenherstellers. Doch diese Idylle verschwindet schnell, wenn ein Sturm oder Orkan über das Land ziehen, Bäume umknicken lasst oder zum Entwurzeln bringt. Denn dann sind die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW gefragt, Straßen und Wege von Bäumen, die den Verkehr behindern und Verkehrsteilnehmer, ob Fahrzeugführer oder Fußgänger gefährden, zu räumen. Überall hört man dann das unverkennbare Geräusch von Motorsägen.

"Heftige Stürme und umgestürzte Bäume, die Fahrbahnen und Wege versperren, kommen in den letzten Jahren immer häufiger vor", stellt Ortsbeauftragter Jürgen Wegener fest. Aber auch Schneebrüche, die im Betreuungsgebiet des Ortsverbandes Bogen schon aufgrund der geografischen Lage jährlich auftreten, rufen zusätzliche Gefahren hervor, die von den Einsatzkräften, insbesondere der Feuerwehren, beseitigt werden müssen. Nicht selten werden auch die Helfer des THW samt ihrer speziellen Ausrüstung zur Unterstützung hinzu gerufen. "Die Katastrophenschutzorganisation des Bundes ist für solche Einsätze ausgestattet", erklärt Wegener. Nicht zuletzt auch durch die Unterstützung der THW-Helfervereinigung stehen im Ortsverband Bogen mehrere Motorsägen mit unterschiedlichen Schwertlängen zur Verfügung. Darüber hinaus dienen Steighilfen, Seilwinden und Greifzüge als wichtige Unterstützung bei der körperlich meist anstrengenden Arbeit.

Doch wie geht man mit diesem Gerät um, wie werden Motorsägen eingesetzt, wie wird es gewartet, welche Unfallverhütungsvorschriften sind einzuhalten? All diese Fragen werden in den entsprechenden Ausbildungslehrgängen beim THW beantwortet. Die Helfer werden in Theorie und Praxis umfangreich geschult - und das nicht nur einmal. Dazu Wegener: "Der Umgang mit Motorsägen steht immer wieder auf dem Ausbildungsplan."

... wie die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften.Das Personal wird bereits mit Beginn der Grundausbildung permanent im Umgang mit der Motorsäge begleitet. Nicht nur die Handhabung dieser Schneidewerkzeuge birgt sehr viele Gefahren, sondern auch das Arbeiten an der Einsatzstelle erfordert von den Helfern ein größtes Maß an Sicherheitsvorkehrungen. Daniel Wasl, Gruppenführer in der zweiten Bergungsgruppe, ging deshalb am Samstag intensiv auf den Umgang mit der Motorsäge ein. In der Nähe von Scheften setzten die Helfer am Nachmittag ihr Wissen in die Praxis um.

Ehe an das Sägen herangegangen werden kann, muss der Helfer das Gerät in seiner Funktion und Handhabung kennen. Auch muss er wissen, welche Schutzausrüstung er zu tragen hat. "Eine Schnittschutzhose und Schutzhelm inklusive Gesichts- und Gehörschutz sind obligatorisch." Darauf weist Daniel Wasl immer wieder hin. Doch nicht nur von der Motorsäge allein geht eine Gefahr aus. Insbesondere bei Wind- und Schneebrüchen muss der Helfer die örtliche Gefahr richtig einschätzen können. "Die auftretenden Spannungen in Bäumen nach einem Windbruch dürfen nicht unterschätzt werden", hat Wasl schon mehrmals selbst erfahren müssen.

An einem quer über einen Weg liegenden Baum übten die Helfer verschiedene Einsatzvarianten inklusive Absicherung und Ausleuchtung der Einsatzstelle. Wie Wasl dabei anführte, stehen die Einsatzkräfte nicht nur vor der gefährlichen Aufgabe, einen beschädigten Baum fachgerecht zu fällen, sondern auch entsprechend auszuästen. Einige Helfer des Ortsverbandes Bogen sind inzwischen aufgrund ihrer mehrjährigen Aus- und Fortbildung bzw. Praxiserfahrung in der Lage, äußerst anspruchsvolle Arbeiten auszuführen. Dazu zählt Wasl unter anderem das stückweise Abtragen eines großen, sturmgeschädigten Baums, welches neben dem Know how auch weitergehende Sicherungsmaßnahmen und zusätzliche Gerätschaften erfordert.

Zum Einsatz kommen die Helfer nach Stürmen oder Schneebrüchen nicht automatisch. „Erst wenn uns Polizei oder Feuerwehren zur Unterstützung anfordern werden unsere Helfer alarmiert“, sagt Jürgen Wegener, der am Samstag die Bereitschaft der Helfer lobte, sich ständig weiter zu qualifizieren, um im Ernstfall schnellstmöglich und effektiv helfen zu können.