THW-Jugend schuf „Leuchtturmprojekt“ für die Integration von Asylbewerbern

Marie-Luise Jungnickel (sitzend 4.v.links) und Bürgermeister Franz Schedlbauer (stehend 4. v. links) lobten die Engagement der THW-Jugend Bogen, welche sich in einem viermonatigen Projekt an der Aktion 'Bürgerliches Engagement' - dieses Mal zugunsten von Flüchtlingen aus Somalia - beteiligt hatten. Jugendbetreuer Benjamin Bründl (stehend 5. v. links) sowie Zugführer und Initiator Johann Haas (stehend 2. v. links) blickten auf das viermonatige Projekt zurück. (Foto: THW)

"Das Projekt Bogen ist einzigartig". Dies aus dem Munde der zuständigen Sachbearbeiterin in der THW-Geschäftsstelle Straubing, Marie-Luise Jungnickel zu hören, war für Benjamin Bründl und seine Jugendgruppe des THW-Ortsverbandes Bogen ein großes Lob. Immerhin hatte die Gruppe im Rahmen der eines Bürgerlichen Engagement-Projektes viel Aufmerksamkeit - nicht nur aus THW-Kreisen erhalten.

Vier Monate lang förderten die Jugendlichen den Integrationswunsch von Asylbewerbern, die in Bogen-Furth untergebracht sind. Während Bürgermeister Franz Schedlbauer am Samstag bei der Abschlussbesprechung die Aktion als "Leuchtturm-Projekt" bezeichnete, lobte der stellvertretende Ortsbeauftragte Josef Feldmaier die Jugendgruppe: "Ihr habt sehr viel eurer Freizeit für diese tolle Geschichte geopfert!"

Mitte Juli hatte die Jugendgruppe des THW-Ortsverbandes Bogen im Rahmen der Aktion "Bürgerliches Engagement" ein umfangreiches Projekt gestartet. Unter dem Motto "THW-Jugend trifft auf Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten", hatten sich die Jugendliche in der Folgezeit inklusive der Abschlussveranstaltung neun Mal getroffen und dabei nach den Worten von Jugendbetreuer Benjamin Bründl gezeigt, dass es überhaupt nicht schwierig sei, mit Menschen anderer Herkunft, anderer Hautfarbe und anderen Glaubens etwas zu unternehmen.

Die Jugendlichen arbeiteten nicht nur Referate aus, die das Technische Hilfswerk vorstellten, sondern sie unternahmen auch mit den aus Somalia stammenden Flüchtlingen eine Exkursion zum Bogenberg und zum Kreisheimatmuseum. Dabei berichteten sie über die Geschichte und Kultur der Region. Dass zu anderen Ländern und deren Sitten auch eine andere Speisekarte gehört, erfuhren die Jugendlichen während eines gemeinsamen Kochens. "Hand in Hand sorgten alle zusammen für ein afrikanisches Menü", berichtete Bründl. Ebenfalls in Teamarbeit bauten sie nach einem Plan von Benjamin Rothmann aus der ersten Bergungsgruppe des Technischen Zugs eine Sitzgarnitur - bestehend aus einem Tisch und zwei Bänken. Dazu Bründl: "Wir wollten damit demonstrieren, dass 'wir an einem Tisch sitzen - wir leben zusammen auf dieser Erde und teilen uns diese gemeinsam."

Die Grundidee stammte von Zugführer Johann Haas. Er hatte von Asylbewerber erfahren, dass sie lediglich 45 Minuten Deutschunterricht pro Woche angeboten bekämen. Und derweil würden die Flüchtlinge wesentlich intensiver die deutsch Sprache erlernen und sich damit integrieren wollen. Die Jugendgruppe nutzte diese Information dann als Basis für eine völlig neues, äußerst umfangreiches Projekt im Rahmen der Aktion "Bürgerliches Engagement". Dazu Initiator Haas: "Uns war klar, dass wir mit einer einzigen Veranstaltung nichts erreichen können. Wenn wir den Flüchtlingen eine Chance zur Integration geben wollen, dann müssen wir mehr für sie tun. Es musste schon eine ganze Serie sein". Aufgrund der Einzigartigkeit der Aktion seien inzwischen Nachfragen über den Inhalt und die Abwicklung aus der gesamten Bundesrepublik in Bogen eingetroffen.

"Es gibt deutschlandweit kein vergleichbares Projekt", lobte Marie-Luise von der THW-Geschäftsstelle die Idee und das Engagement der Bogener Jugendgruppe. Sie hoffte, dann auch zukünftig finanzielle Mittel für solche Projekte zur Verfügung gestellt werden können. Dies unterstrich auch der stellvertretende Ortsbeauftragte Josef Feldmaier. Während derzeit überall von Integration gesprochen werde, hätten die Jugendlichen des THW-Ortsverbandes Bogen diese bereits in der Praxis umgesetzt.

"Was ihr geleistet habt, hat absoluten Vorbildcharakter", lobte Bürgermeister Franz Schedlbauer die Jugendlichen. Die Aktivität könne durchaus als "Leuchtturmprojekt" bezeichnet werden. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass in der Grafenstadt Menschen aus 20 verschiedenen Ländern leben, unterstreiche die große Bedeutung dieses Projektes. Für ein friedliches Miteinander sei es nicht nur wichtig, die Sprache zu beherrschen, sondern auch sich der Gesellschaftsform anzupassen. Auch im Hinblick auf die demographische Entwicklung in Deutschland seien ausländische Arbeitskräfte notwendig. "Danke, dass ihr dieses Thema aufgegriffen habt", fasste Schedlbauer zusammen und räumte ein, dass sich die Kommunalpolitik zukünftig mit dem Thema "Zuwanderung noch intensiv beschäftigen müsse.

Germar Seebauer, Mitglied der Jugendgruppe war während der viermonatigen Projektzeit aufgefallen, dass die Asylbewerber "trotz ihrer nicht leichten Situation stets ein Lächeln im Gesicht gehabt hätten". "Wir haben viel über die Menschen in Afrika und deren Kultur gelernt", meinte Simon Santl und Christina Richter war so angetan von der Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, dass sie bei anderer Gelegenheit gern diese Aktion wiederholen würden. Für Christian Ecker war es "eine Super Zeit". Die Hautfarbe habe genauso wenig eine Rolle gespielt wie die Sprache. "Wir haben uns schon irgendwie verständigt", ergänzte sein Bruder Stefan. Und das mit einem solchen Projekt Vorurteile abgebaut werden können, unterstrich Michael Brandl.

Zum Abschluss überreichten die Jugendgruppen den Asylbewerbern die Sitzgarnitur. Helfer des Technischen Zuges sicherten zu, den Tisch und die beiden Bänke kommende Woche in die Unterkunft im Ortsteil Furth zu transportieren. Nach einer dreitägigen Exkursion ins ebenso vom Hochwasser gebeutelte Kallmünz im vergangenen Jahr, dem diesjährigen Gemeinschaftsprojekt mit den Asylbewerbern will die Jugendgruppe im nächsten Jahr ebenfalls im Rahmen des "Bürgerlichen Engagements" aktiv werden. Über Details wollten sie am Samstag jedoch noch nicht sprechen.