THW-Jugend klärt Somalier über "Hl. Berg Niederbayerns" auf

Mitglieder der THW-Jugend Bogen führten die Asylbewerber durch das Kreismuseum Bogenberg. - Die Jugendlichen führten die Somalier engagiert durch die Räume des Kreismuseums. (Fotos: THW)

Auf den Spuren der Jahrhunderte lang existierenden Wallfahrt zum "Heiligen Berg Niederbayern" bewegten sich am Samstag die Mitglieder der THW-Jugendgruppe. Im Rahmen ihres Projektes zum "Bürgerlichen Engagement" unternahmen sie mit den somalischen Asylbewerbern, die in Furth bei Bogen untergebracht sind, eine Exkursion zum Bogenberg. Dabei standen die Themen "Wallfahrt", "Heiliger Berg Niederbayerns" und der Ursprung der "Bayerischen Rauten" sowie deren Fortentwicklung auf dem Programm.

Die Jugendgruppe des THW-Ortsverbandes Bogen unter der Leitung von Benjamin Bründl hatte sich auf diese Exkursion gut vorbereitet. Über mehrere, ihnen zur Verfügung gestellte Quellen informierten sie sich ausführlich zu den einzelnen Schwerpunktthemen, damit sie auch den Fragen der Projektteilnehmer gewappnet sein konnten. Sogar vor Ort - im Kreismuseum Bogenberg - holten sie sich Informationen. Entsprechend entspannt starteten sie dann auch am Samstag die inzwischen dritte gemeinsame Veranstaltung. "Die Jugendlichen hatten sich schon bei unserem letzten Treffen mit den Gästen ganz schön ins Zeug gelegt", weiß Benjamin Bründl, denn als die Zehn- bis 17-Jährigen eine ganze Serie an Vorträgen zum Thema „Technisches Hilfswerk“ präsentierten, musste dafür sogar der zeitliche Rahmen ergänzt werden, damit sie all die Informationen loswurden. Dieses Engagement setzte sich nun am Samstag zur Zufriedenheit Bründls fort.

Auch wenn die Somalier Moslems sind, so kennen sie doch die Geschichte von Jesus, dessen Leben und Wirken, sowie dessen Tod, dem im christlichen Glauben an Ostern gedacht wird. Die Kreuzwegstationen auf dem Weg von der Bogener Innenstadt hinauf zum Bogenberg, der vor allem auch durch die Pfingstwallfahrer an Bedeutung gewonnen hat, waren ihnen daher nicht unbekannt. Trotz Regens ließen sie sich von den Jugendlichen bereits unterwegs über die Wallfahrer aus Holzkirchen und deren Versprechen, jedes Jahr zu Pfingsten mit der langen Kerze den Weg ihres Heimatortes nach Bogen und zum Bogenberg zu wallfahren, informieren.

Im Museum angekommen nutzten die Jugendlichen für ihre Erzählungen die zahlreichen Exponate, die das über 100-jährige Kreismuseum den Besuchern bietet. Von Vorteil war ihnen dabei unter anderem ein Filmbeitrag über die Pfingstwallfahrt, der das Thema noch zusätzlich veranschaulichte. Was die Asylbewerber aufgrund ihrer noch schwachen Deutschkenntnisse nicht verstanden, versuchten die jungen THW-ler ins Englische zu übersetzen. Sie zeigten ihnen anschließend die Ausstellung über die regionale sakrale Kunst und die katholische Volksfrömmigkeit. Aufgefallen war den Somaliern, dass auf dem Bogenberg ein mittelalterliches Gnadenbild die Muttergottes im schwangeren Zustand darstellt.

Stolz berichteten die Jugendlichen, dass die Bayerischen Rauten ihren Ursprung in Bogen haben. Nach der Heirat der verwitweten Gräfin von Bogen, Ludmilla, mit dem Wittelsbacher Herzog Ludwig den Kelheimer hatten die Wittelsbacher später auch das Land und das Wappen - die Rauten - übernommen. So findet man diese Rauten auch im bayerischen Staatswappen wieder. Doch nicht nur da. Die Jugendlichen führten die Gäste auch zu einer größeren Vitrine, in der eine Vielzahl von Büchern, Souvenirs, Werbeartikeln etc. ausgestellt sind. Einer der Asylbewerber erkannte sofort auch ein Fußballdress-Oberteil mit dem Vereinszeichen des FC Bayern Münchens, welches ebenfalls die Rauten enthält.

Während der nächsten Monate wird die THW-Jugend noch öfters mit den Asylbewerbern auf Exkursion gehen oder gemeinsam etwas erarbeiten. Schon jetzt zeigt sich für Benjamin Bründl, dass die Idee "ein Volltreffer" war. "Bei den Treffen gibt es keine Berührungsängste, die Hautfarbe spielt keine Rolle und die ursprünglich befürchtete Sprachbarriere erwies sich sehr schnell als überwindbar", so Bründl. Die Toleranz gegenüber ausländischen Mitbürgern werde dabei genauso gefördert, wie das Verständnis für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben fürchten mussten.

Gerade was die Verständigung anbelangt hat sich die THW-Jugend noch etwas ergänzend einfallen lassen: Bei jedem Treffen stellen sie eine Wörterliste mit Dingen, die sie im Laufe der Veranstaltung angesprochen haben, zusammen. "Dadurch wird automatisch auch der Wortschatz der Asylbewerber ergänzt", freut sich Bründl über diesen vorteilhaften Nebeneffekt.