THW findet bei Vermisstensuche in Gottesberg ein Skelett

Ein 35-jähriger Landwirt war am Montagabend nicht wie erwartet zum Abendessen nach Hause gekommen. Nachdem die Angehörigen bereits vergeblich nach ihm gesucht hatten, verständigten sie die Polizei, die wiederum die Feuerwehr für eine Suchaktion alarmierte. Der Wald bei Gottesberg war als letzter Aufenthaltsort des Vermissten bekannt. Er wollte dort mit der Motorsäge Arbeiten verrichten. Doch wo war der Landwirt abgeblieben? Hatte er sich verletzt - so schwer, dass er sich mit eigener Hilfe nicht mehr nach Hause bewegen konnte? Oder viel er in Unterzucker - der Mann ist Diabetiker? Für die Einsatzleitung war klar: der Landwirt musste so schnell wie möglich gefunden werden. - So weit das Übungsszenario, mit dem die Helfer des THW-Ortsverbandes am Montagabend bei einer Einsatzübung konfrontiert wurden.

Die örtliche Einsatzleitung, die auch im Rahmen dieser Übung bei der Führung der Feuerwehr lag und entsprechend eingespielt wurde, hatte entschieden, noch weitere Kräfte, darunter auch den THW-Ortsverband Bogen in den Einsatz einzubinden. Immerhin verfügt dieser Ortsverband über eine Fachgruppe "Ortung", die spezialisiert ist, Vermisste aufzuspüren. Darüber hinaus musste vorsorglich ein geeigneter Landeplatz für den Rettungshubschrauber erkundet und dann entsprechend vorbereitet werden. Dies sollten Kräfte des Technischen Hilfswerks übernehmen, da sie auch über die erforderlichen Geräte und das Wissen verfügen, um so einen Platz richtig ausleuchten zu können.

Zum Vorbereiten des Hubschrauberlandeplatzes setzen die THW-Helfer unter anderem eine ausreichende Anzahl von Strahlern ein. (Fotos: THW)Was die Einsatzkräfte des THW jedoch nicht wussten, das waren verschiedene Hindernisse, die Zugführer Johann Haas in das Übungsszenario mit einspielen ließ. Das begann schon mit der Auswahl des Hubschrauberlandeplatzes. Während der Erkundung stellte der Gruppenführer der ersten Bergungsgruppe Sascha Helmbrecht schnell fest, dass aufgrund der örtlichen Lage lediglich eine etwas größere Lichtung in Frage kommen könne. Hier musste jedoch nicht nur der Landeplatz als solches ausgeleuchtet werden, sondern auch noch der umliegende Waldbereich, damit der Pilot des Rettungshubschraubers die Hindernisse deutlich erkennen konnte. Demzufolge bauten die Helfer innerhalb kürzester Zeit die erforderlichen Strahler auf, verlegten Leitungen, kümmerten sich um die notwendige Stromversorgung und sicherten den Platz ab.

Inzwischen wartete die Einsatzleitung mit einem weiteren Auftrag auf. Ein bestimmter Flächenabschnitt wurde dem THW zur Absuche nach dem Vermissten Landwirt zugeteilt. Der neue Zugtruppführer Florian Feicht, der bis vor kurzem die technische Abteilung der Fachgruppe Ortung unter sich hatte, übernahm die Abschnittsleitung. Innerhalb weniger Minuten war die Suchmannschaft mit entsprechendem Equipment ausgestattet und über den aktuellen Stand unterrichtet. Im THW-Einsatzleitfahrzeug hatte das dort arbeiteten Team bereits das entsprechende Kartenmaterial und sonstige notwendige Dokumente vorbereitet. Speziell im vergangenen Jahr hatte Feicht gemeinsam mit der Truppführerin der so genannten Biologischen Ortung (Rettungshunde), Karin Kitter, die Ausbildung Vermisstensuche intensiviert.

Eine eher ungewöhnliche - aber dennoch nicht unmögliche Einspielung ließ die strukturiert vorgehende THW-Mannschaft abrupt stoppen. Unter einem Gestrüpp hatte ein Helfer einen Teil eines menschlichen Skeletts entdeckt. Sofort wurde die Einsatzleitung und die Polizei über den Fund informiert, der Fundort weiträumig abgesperrt und durch Helfer entsprechend abgesichert. Der Rest der Mannschaft setzte die Suche nach dem inzwischen immer noch nicht aufgefundenen Landwirt fort. Etwa 20 Minuten später wurde er in einer dicht bewachsenen Mulde entdeckt. Wie sich bei der ersten Befragung herausgestellte, war der Mann einem fallenden Baum ausgewichen und dabei in die Mulde gestürzt. Dabei hatte er sich so schwer verletzt, dass er für einige Zeit auch bewusstlos war, sich selbst nicht befreien bzw. bemerkbar machen konnte. Bis der verständigte Notarzt und der Rettungsdienst eintrafen kümmerten sich THW-Sanhelfer um den Verletzten.

Zugführer Johann Haas war mit dem Übungsverlauf zufrieden. "Natürlich gibt es immer Verbesserungen", räumte er ein, was aber bei dieser Übung in keinster Weise eine negative Rolle gespielt hätte. Das Szenario habe deutlich gemacht, dass auf die Einsatzkräfte des THW immer neue Herausforderungen treffen können. Deshalb sei es notwendig, die Einsatzoptionen stets aufs Neue zu überarbeiten und die Ausbildung entsprechend aktualisierter Anforderungen anzupassen. Beobachtet wurde der fast dreistündige Ablauf durch zwei Führungskräfte des THW-Ortsverbandes Deggendorf. Alex Hollauer und Jürgen Schwanitz verglichen den Übungsverlauf mit eigenen Einsatzerfahrungen und konnten in der Nachbesprechung mit entsprechenden Empfehlungen beitragen.