Spezialteam ortet Vermisste unter eingestürztem Gebäude

Florian Feicht hält sein Spezialteam ständig auf dem neuesten technisch möglichen Stand. Bei der 'DASEx 10' setzte die Fachgruppe Geophone ein, die akustische Signale an einen Empfänger übermitteln. Ein geschultes Ohr kann die Geräusche zuordnen und innerhalb kürzester Zeit den genauen Ort, an dem sich Vermisste befinden, orten. (Fotos: THW)"In einem durch eine Gasexplosion eingestürzten Gebäude werden mehrere Personen vermisst." Die Information erreichte den THW-Ortsverband Bogen am Freitagabend. Eine Situation, bei der die Spezialisten der Fachgruppe Ortung von der Einsatzleitung - in der Regel die örtliche Feuerwehr - angefordert werden. Die besonders ausgebildeten THW machen sich dann mit ihren Spezialgeräten auf den Weg zur Unglücksstelle. Am Freitagabend hatten sie unter anderem eine Geophone-Anlage im Gepäck. Der zuständige Ausbilder und Leiter der Fachgruppe, Florian Feicht, hatte sich für dieses Gerät entschieden, welches zur Körperschallbestimmung dient. Es werden dazu mehrere Sensoren über einer verdächtige Stelle ausgelegt. Die Sensoren detektieren Kratz- bzw. Klopfgeräusche.

Michael Thim und Reinhard Premm von der THW-Geschäftsstelle in Straubing hatten sich für die "DASEx 10"-Übung dieses Szenario auf dem Gelände der Bauschuttverwertung in Agendorf entschieden bzw. das Gelände entsprechend präpariert. Florian Feicht musste mit seinem Spezialteam insgesamt drei vermisste Personen finden. "Das war eine Aufgabe, die zu unserem Standard-Repertoire gehört", stellte Feicht fest. Routiniert ging er an die Sache heran, verschaffte sich persönlich von der "Unglücksstelle" ein Bild, instruierte sein Team und ließ die erforderlichen Geräte und das entsprechende Zubehör vor Ort bringen.

"Wenn es um Menschenleben geht, zählt jede Minute", weiß Feicht und dennoch gehört es primär mit dazu, systematisch vorzugehen. Das Gelände wurde durch Helfer seiner Fachgruppe kartiert und in Sektionen aufgeteilt. Anschließend bauten die Spezialisten ein Netz von Sensoren auf. Die nummerierten Bodenschallaufnehmer (Geophone) ließ Feicht auf den Trümmern auslegen, um Klopf- oder Scharrgeräusche von Verschütteten am speziellen Ortungsgerät wahrnehmen zu können. "Oft ist es schon vorgekommen, dass die Verschütteten zwar nicht mehr die Kraft zum Sprechen hatten, sehr wohl sich aber noch anderweitig, vom Ortungsgerät wahrnehmbar, bemerkbar machen konnten", nannte Feicht Beispiele der Einsatzbeispiele. Die auf einzelne Wahrnehmungen hin trainierte Gehöre der Ortungshelfer können jedes Geophon einzeln abhören und vergleichen, welcher Sensor das stärkste Geräusch aufnimmt.

Um Störgeräusche heraus zu filtern, verfügt das Spezialgerät über Regler, die die Wiedergabe bestimmter Frequenzbereiche unterdrücken. Über eine ebenfalls am Gerät angeschlossene Luftschallaufnehmer, einem sehr empfindlichen Mikrofon, ist es möglich, Ruf- oder Stöhngeräusche aufzunehmen und ebenso über eine Rücksprecheinrichtung mit den Verschütteten zu sprechen, wenn die Sonde über Bohrungen oder Hohlräume zu ihnen geführt werden kann. Aus der langjährigen Erfahrungen des THW in solchen Situationen meinte Feicht: "So kann man die Person zum Beispiel auf einen bevorstehenden Wanddurchbruch vorbereiten."

Reinhard Premm kennt ebenfalls dramatische THW-Einsätze: "Wenn Menschen eingeschlossen oder verschüttet sind, ist Rettung oft nur durch eine qualifizierte Ortung möglich. Die Einsatztaktik der Fachgruppe Ortung setzt auf eine gebündelte Fachkompetenz verspricht auch in schwierigsten Lagen Erfolg. So kann der Einsatz der Ortungsspezialisten Klarheit bringen, ob beispielsweise unter Trümmern Leben vorhanden ist oder nicht. Oft hilft auch schon die fachkundige Beratung der Einsatzleitung und deren Kräfte."

Zugführer Johann Haas schätzt sein Spezialteam: "Geräte, sowie die Kenntnisse über Baustrukturen und dem daraus resultierenden Rückschluss aufgrund der vorhandenen Trümmerlage, hilft ihnen den genauen Lageort der verschütteten Person zu lokalisieren." Dieses sei notwendig, damit er anschließend eine effiziente Bergungs- und Rettungsmaßnahme einleiten könne. Außerdem sollten seiner Ansicht nach die Bergungshelfer nicht überflüssigerweise durch unnötige Rettungswege in Lebensgefahr gebracht werden.

In besonderen Fällen kann Florian Feicht und sein Team auch Leckagen an Druckleitungen orten. Als Beispiel nannte er undichte Ver- und Entsorgungsleitungen wie etwa Gas- und Wasserleitungen. Um seine technisch hochmoderne Ausstattung zu ergänzen, forciert er kurzfristig die Anschaffung von GPS-Geräten. Derzeit ist der Ortsverband Bogen dabei die entsprechenden Mittel zu besorgen.

Seine Einsatzauftrag am Freitagabend führte Feicht und sein Team nach Angaben von Beobachtern souverän und erfolgreich aus. Innerhalb weniger Minuten war die erste verschüttete Person geortet worden. Kurze Zeit später ging bei der Einsatzleitung die Information ein: "Alle Vermissten gefunden!", so dass mit deren Rettung umgehend begonnen werden konnte. Die Fachgruppe Ortung ist im gesamten Geschäftsführerbereich (von Laaber bis Passau, von Kelheim bis Grafenau) einmalig. Im besonderen Fälle rückt das Team auch überregional aus.