Feuerwehr, THW und BRK arbeiten nach Terroranschlag Hand in Hand

(Fotos: THW)Mehr als 80 Einsatzkräfte der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), der Feuerwehr und des BRK hatten es am Samstag mit einem ganz besonderen Auftrag zu tun. Nach einem Terroranschlag auf ein Verwaltungsgebäude mussten sie nach mehreren vermissten Personen suchen, diese aus Trümmern und Mauerresten befreien, sowie medizinisch versorgen. Unterstützt wurden sie durch THW-Rettungshundeteams aus ganz Bayern. Den ganzen Vormittag über wurden sie von Politikern und hochrangigen Führungskräften der einzelnen Organisationen beobachtet.

Ein Terroranschlag veränderte die ganze Welt. Nach dem 11. September 2001 hat sich die Sicherheitslage in vielen Ländern verändert. Es folgten Anschläge auf US-Einrichtungen, auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, auf Zivilgebäude wie Bahnhöfe und andere Einrichtungen. Vergangene Woche warnte Interpol vor einem Terroranschlag bei den Olympischen Spielen in Peking. Verheerende Gasexplosionen - wie etwa vor drei Jahren im fränkischen Lehrberg oder ganz aktuell vor zwei Wochen in Osterhofen - machen deutlich, dass sich zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort eine Katastrophe größeren Ausmaßes ereignen kann. Dann müssen alle zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte - egal welcher Organisation - schnell und vor allem Hand in Hand qualifizierte Hilfe leisten.

Vor diesem Hintergrund organisierte der THW-Ortsverband Bogen auf der Bauschuttdeponie Agendorf eine groß angelegte Einsatzübung, in der ein Terroranschlag auf ein größeres Verwaltungsgebäude simuliert wurde. "Wir wollten damit keine Panik verbreiten", hatte THW-Zugführer Daniel Wasl bekräftigt, doch Szenarien, wie sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder ereignet hätten, "erfordern von uns allen auf solche Herausforderungen möglichst gut vorbereitet zu sein". Auch THW-Ortsbeauftragter Jürgen Wegener unterstrich: "Egal ob bei einem kleineren Einsatz oder bei einem Katastrophenfall, es müssen alle Handgriffe sitzen". Bezüglich der Gefahr durch Anschläge fügte er hinzu: "Um möglichst viele Menschenleben retten zu können, müssen sich die Hilfsorganisationen rechtzeitig mit der Thematik auseinandersetzen und unter anderem auch die Ausbildung entsprechend ausrichten."

Solche Schadenslagen erfordern in vielen Fällen den Einsatz von Rettungshunden, die speziell in der Trümmersuche ausgebildet sind. Bayernweit existieren momentan in drei THW-Ortsverbänden Fachgruppen, die über derart ausgebildete Rettungshunde verfügen: Garmisch-Partenkirchen, Sulzbach-Rosenberg und Bogen. Für die Einsatzübung lud daher der Ortsverband Bogen alle bayerischen Rettungshundeteams nach Agendorf ein.

Wie wichtig eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den THW-Bergungsgruppen und den Rettungshundeteams, aber auch mit den anderen Organisationen, wie Feuerwehr und Rettungsdienst ist, sollte die Einsatzübung aufzeigen.

Frühzeitig setzten sich die Führungskräfte von THW, Feuerwehr und BRK zusammen und arbeiteten den Inhalt des Übungsszenarios aus. Wie auch schon vom Gesetzesgeber vorgesehen, hatte die Einsatzleitung der für Agendorf zuständige Kommandant der Feuerwehr Steinach, Martin Kieninger, übernommen.

Nachdem seine Männer dem "Drehbuch" zufolge die ganze Nacht dafür sorgten, dass nach einem Bombenanschlag auf das Verwaltungsgebäude das Feuer gelöscht wurde, forderte er morgens das THW an, um ihn bei der Suche nach mehreren Vermissten zu unterstützen. Es rückten daraufhin THW-Helfer aus Bogen, Deggendorf und Mallersdorf sowie insgesamt neun Rettungshundeteams aus Bogen, Garmisch-Partenkirchen und Sulzbach-Rosenberg an.

Im Verlauf der Übung demonstrierten mehr als 80 Einsatzkräfte, dass sie gut zusammenarbeiten. Zu dieser Feststellung kamen unter anderem die anwesenden Politiker wie Landrat Alfred Reisinger, der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken sowie die beiden Bürgermeister Franz Schedlbauer (Bogen) und Karl Mühlbauer (Steinach). "Für solch eine hoffentlich sich nie ereignende Katastrophe haben sich alle drei Organisationen gut vorbereitet", resümierten sie fast alle vier im selben Wortlaut. "Ich staune, mit welcher Schnelligkeit die vermeintlich Verschütteten geortet und aus den Schuttbergen gerettet wurden", ergänzte Schedlbauer. Aber auch Führungskräfte im Landratsamt, der Polizei, der Landkreis-Feuerwehr und des BRK-Kreisverbandes waren über den Verlauf sehr zufrieden.

Lob kam auch vom THW-Landesverband. Stellvertretend für den Landesbeauftragten Dietmar Löffler beobachte Manfred Tschauner gemeinsam mit Wolfgang Ness, dem "Sachbearbeiter Einsatz" in der Geschäftsstelle, den Ablauf akribisch genau. Beide lobten nicht nur das Organisationsteam unter der Leitung von Zugführer Daniel Wasl, sondern waren auch vom Engagement aller Einsatzkräfte sehr beeindruckt. An neun verschiedenen Stellen waren Statisten realitätsnah unter Schutt, Steintrümmern und sogar Betonplatten versteckt worden. Zuerst wurden die Rettungshundeführerinnen bzw. -führer mit ihrem speziell auf Trümmersuche ausgebildeten Hunden losgeschickt. Es dauert auch nicht lange und die Vierbeiner hatten die "Vermissten" aufgespürt.

Mit Brechstangen, Schaufeln, aber auch mit Spezialgeräten wie Hebekissen oder hydraulischen Spreizer rückten die Helfer der Bergungsgruppen an, hoben Betondecken auf, rückten tonnenschwere Steinbrocken zur Seite oder schaufelten Schutt weg um an die Verletzten heranzukommen und sie aus ihrer "Gefangenschaft" zu befreien.

Nach einer medizinischen Erstversorgung brachten sie THW-Helfer und Feuerwehrmänner zum Versorgungszelt der BRK-Schnelleinsatzgruppe.

Sie alle hatten den Anschlag überstanden, mit Ausnahme eines Mannes, der von einer Betonplatte erdrückt worden war. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Helfer der Bogener Fachgruppe hatten ihn wohl noch mit einem speziellen Ortungsgerät ausfindig machen können, doch konnten ihn die Einsatzkräfte der Bergungsgruppe nur noch "tot" aus den Trümmern hervorholen. "Auch mit solch einer Situation müssen die Helfer bei der Ausbildung vorbereitet werden", meinte Daniel Wasl, der gemeinsam mit dem Einsatzleiter, Kommandant Martin Kieninger, nach fast vierstündigem Dauereinsatz von einem "vollen Erfolg" sprach.